Ihsahn - After

8.0 von 10 Punken


Erscheinungsjahr
2010

Label
Candlelight Records

Besetzung
Gesang/Gitarre: Ihsahn
Bass: Lars K. Norberg
Schlagzeug: Asgeir Mickelson
Saxophon: Jorgen Munkeby

Tracklist
1.The Barren Lands
2.A Grave Inversed
3.AFTER
4.Frozen Lakes On Mars
5.Undercurrent
6.Austere
7.Heavens Black Sea
8.On The Shores

Datum: 21.01.2010 - Autor
V.Ö.: 22.01.2010



EMPEROR waren für mich das Paradebeispiel meiner Hassliebe - na gut, eher Ablehnung und Spöttelei als sonst was - zu dieser eigenartigen Musikrichtung namens Blech Metal: Einerseits waren die Norweger eine der wirklich eigenständigen und progressiven im wahrsten Sinne des Wortes Bands der neunziger Jahre, da sie sich vom keyboardlastigen Geschredder von “In The Nightside Eclipse” hin zu beinahe Rush-artigen Songstrukturen auf ihrem Abschiedsalbum “IX Equilibrium” entwickelt hatten und insofern tatsächlich ihrer Musik so etwas wie einen künstlerischen Anspruch verliehen. Dieser Anspruch war aber zugleich auch immer das Problem der Band, fragte man sich doch, ob man es hier mit wertigen Konzeptalben oder doch eher mit pseudointellektuellem Mummenschanz zu tun hatte.

Und ähnlich geht es mir mit dem mittlerweile dritten Soloalbum des ehemaligen Frontmannes der Black-Metal-Legende: Einerseits trifft man hier auf eine Mixtur beinahe jeglicher harter Musikstile der Siebziger bis Spätneunziger: Meshuggah-artige, verschrobene Songstrukturen, die sich in beinahe ins Atonale abdriftende Riffkaskaden steigern, treffen auf Cleangesang, thrashige Parts münden in atmosphärischen, beinahe an Ambient gemahnenden Erholungspausen, bevor STRAPPING YOUNG LAD um die Ecke lugen. Und als Krönung des Ganzen führt „After“ eines der eigentlich schrecklichsten Instrumente aller Zeiten ins hartmetallische Universum ein: Das Saxophon. Keine Angst, dieses Album rutscht niemals in Funkgedöhns ab, vielmehr setzt IHSAHN die Tröte sehr jazzig ein, sodass „After“ in den ruhigeren Momenten beinahe wie ein Soundtrack zu einem Film-Noir-Revival wirken.

Die Sache ist nun die, dass das Ganze in sich abgeschlossen durchaus fasziniert und den Hörer durchaus in seinen Bann ziehen kann, aber wie häufig? Ganz ehrlich: Das Album liegt jetzt seit etwa einem Monat bei mir, aber öfter als einmal in der Woche kann ich mir „After“ einfach nicht anhören, weil das Album erstens nur in bestimmten Stimmungen, nämlich dann, wenn man sehr entspannt ist, genießbar ist und einem als Ohrenverleiher selbst in derartigen Momenten alles an Aufmerksamkeit und Nerven abverlangt. Das spricht keineswegs gegen IHSAHNs Werk, aber der Ehrlichkeit halber sollte man doch erwähnen, dass man in Zeiten, in denen man für Neuerscheinungen meist zwischen 16 und 18 Euro löhnt, sich vor dem Kauf eines Albums genau überlegen sollte, was man vom jeweiligen Neueinkauf erwartet. Denn Unterhaltung gibt´s hier nicht.



Autor: Lars

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