Evergrey - + Chaoswave

8.0 von 10 Punken


Datum
16.09.2009

Konzertort
Matrix, Bochum

Datum: 18.09.2009 - Autor Claudio
16.09.09 Matrix, Bochum



Ich bin so etwas wie ein Spätberufener, denn Evergrey fand ich zwar immer ganz nett, aber in den letzten Jahren habe ich mich zu einem echten Fan entwickelt, was man an meiner Rezension zur letzten Platte auch definitiv ablesen kann. Als dann die Nachricht mich erreichte, dass sie in Deutschland spielen werden, wühlte ich gleich mal die Tourdaten durch und siehe da die Herren aus Schweden geben sich tatsächlich die Ehre. Leider nur einmal, was ich schon wirklich befremdlich finde, aber zum Glück in Bochum. Zwar “nur” in der Matrix, die ja nicht gerade dafür bekannt ist, ein Tempel des guten Sounds zu sein und so hegte ich arge Befürchtungen, was den Sound betrifft. Nichtsdestotrotz war dieser Termin für mich mehr als ein Muss und auch ca 300-400 andere Freunde der gehobenen Unterhaltung sahen dies so. Ich glaube mal kein schlechter Schnitt, denn immerhin war das Konzert mitten in der Woche und wirklich viel Promotion habe ich auch nicht gesehen. Als Support waren Chaoswave aus Sardinien dabei und die Herren + Dame haben hier bei uns beim Review ihrer letzten Platte von Jörg einen Schuss vor den Bug erhalten.

Auch Live war es nicht das Gelbe vom Ei, was nicht an der Leistung der Musiker lag, sondern eher an der Tatsache, dass ihre Songs einfach so an einem vorbei laufen. Die Band hatte sichtlich Spaß und einige Fans konnten mit dem leicht progressiven Metal von Chaoswave auch was anfangen, doch fehlte an allen Ecken und Enden eine zweite Gitarre und auch Sänger Fabio , welcher gegenüber seinem weiblichen Widerpart Giorgia mehr als einmal den Kürzeren zog, beeindruckt mehr durch seine Lockenpracht, als durch seine zwar kräftige, aber auch eintönige Stimme. Leider entwickelte sich der Sound bei dem Auftritt der Band immer mehr zu einem Soundbrei und hat mehr und mehr Leute in die angrenzenden Lokalitäten vertrieben. Ich muss sagen, dass ich nach dem Review von Jörg und einigen Hörproben nicht wirklich viel erwartet habe, doch ich muss der Band zu gute halten, dass sie authentisch wirkte und viel Spass an ihrer Musik hat. Auch konnte das Frontduo die Fans zum Mitklatschen animieren und die Kommunikation zwischen dem Publikum und der Band war zu jeder Zeit gegeben. Kein wirklich guter Auftritt zwar, aber sie haben es auf alle Fälle geschafft meine Aufmerksamkeit zu erregen und ich bin mal gespannt, wie es mit den Sarden weiter geht.



Nach 45 Minuten Chaoswave war nun Evergrey angesagt, so dachte ich jedenfalls, aber so war dem leider nicht wirklich, denn nun stand die obligatorische Umbaupause bevor und das kann dauern. In diesem Falle absolut zulange nämlich knappe 45 Minuten, von denen 25 Minuten nix gebaut, verschoben oder getestet wurde, jedenfalls nicht offensichtlich. SO kann man sich schnell den Unmut der FAns zuziehen, aber im Falle von Evergrey muss man vielleicht Gnade walten lassen, denn immerhin war es das erste Konzert der Tour und da kann normalerweise nicht alles wie am Schnürchen laufen, gerade wenn es sich um eine absolut perfektionistische Band wie Evergrey handelt. Also verbrachte man seine Zeit mit Warten, Tratschen, Meckern und dumm aus der Wäsche gucken (alles Paradedisziplinen von mir). Aber auch die längste Umbaupause ist irgendwann zu Ende und Evergrey enterten de Bühne und wieder fällt auf, dass die Bühen in der Matrix nicht wirklich für Bands geeignet ist, die aus mehr als 4 Mitgliedern bestehen. Irgendwie sah der gesammte Bühnenaufbau schwer verschachtelt aus und so standen die Saitenfraktion in erster Reihe, das Keyboard in zweiter und hinten hockte der Drummer, was bei einem Mann wie Jonas Ekdahl echt schade ist. Mit Vollgas legten die Schweden auch direkt und ohne Umschweife los und man muss von Glück sagen, dass der Soundmann die Idee hatte den Gesang vom Tom Englund so weit in den Vordergrund zu mischen, so kam sein markantes Organ gut zur Geltung und wer die Band kennt der weiß, dass gerade dies bei ihnen mehr als notwendig ist. Mach doch gerade die Stimme viel von der Magie der Schweden aus. Auch ist es immer wieder auffällig, dass die Songs der Schweden Live um einiges härter klingen, als auf CD, was bei dem Konzert in der Matrix auch daran gelegen haben könnte, dass die heftig bratenden Gitarren das Keyboard ein ums andere Mal einfach geschluckt haben.

Zu Beginn der Show war den Mannen etwas Nervosität, wie gesagt der erste Gig der Tour, anzumerken, aber mit wachsender Spielzeit verschwand diese und so breitete sich auf der Bühne eine gelöste und vor der Bühne eine verzückte Stimmung auf. Erfreulicherweise wurden die Songs wie “Soaked”, vom letzten Album, genauso gut aufgenommen wie ihre Klassiker “She Speaks To The Dead”, “Nosferatu”, bei dem die Chöre komplett im Sound verschluckt wurden, oder “The Masterplan”. Es ist schon immer beeindruckend, das eine Band, die aus absoluten Koryphäen an den Instrumenten besteht, es nicht nötig hat auf unnütze Soloeskapaden zusetzen, sondern alleine ihre Songs sprechen lässt. Hauptgrund dafür dürfte die Tatsache sein, dass diese Songs schon mehr als genug musikalische Klasse zeigen. Tom Englund hatte die Menge im Griff, Henrik Danhage ist einfach ein begnadeter Gitarrist und auch der Rest der Band fiel in keinster Weise hinter den beiden Blickfängen zurück, auch wenn man das Keyboard immer weniger hörte. Es ist einfach eine Show, wenn die komplette Band wie wild bangt und dabei die nicht wirklich leichten Songs wie aus einem Guss spielt. Einer der Kritikpunkte, außer dem nicht immer ausgewogenen Sound, ist, dass die Jungs sich in den ersten 90 Minuten nur auf ihre schnelleren Songs konzentriert haben. Evergrey sind eine Band die, auf den Alben, von den melancholischen Momenten lebt und da ich am nächsten Tag um 4 Uhr wieder au den Federn springen durfte, war für mich um kurz nach 11 Uhr Schicht im Schacht. Natürlich haben die Herren genau in diesem Moment mit “Words Mean Nothing” den ruhigeren Part ausgerufen, was bei mir zu einiger Missstimmung führte.

Evergrey sind Live ein Erlebnis, nur wenige Bands haben die Fähigkeiten, komplexe Songs, musikalisch wie atmosphärisch, derart konsequent auf die Bühne zu bringen und dabei sichtlich Spass zu haben. Zwar hätte ich die Band lieber in einer anderen Location gesehen, auch wenn ich die Matrix mag, aber dieser Sound, doch sollte man sich bei einem Ticketpreis von 14 Euronen im VVK über den reellen Gegenwert freuen. Auch die Merchpreise waren mehr als angemessen, denn welche Band in der Größe von Evergrey verkauft schon ein Kappu für weniger als 40 Euro? Es war alles in allem ein schöner Abend, mit guter Musik, einer relaxten Atmosphäre, matschigem Sound und der Erkenntnis, dass Frühschicht manchmal auch eine extreme Pein sein kann. Ich freue mich drauf die Schweden bald, irgendwann, irgendwie, irgendwo wiederzusehen. Hat Spass gemacht....und auch die Tatsache, dass man Bekannte Gesichter wiedersah, die man etliche Jahre nicht gesehen hat, war eine willkommene Zugabe.





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