U.D.O. - w/Desperadoz



Datum
14.12.2009

Konzertort
Matrix Bochum

Datum: 18.12.2009 - Autor Frank
Aber Hallo, da hat der Weihnachtslaus für uns Headbanger ja noch einmal die volle Dröhnung ins Säcklein gepackt. Habe ich einen Tag zuvor bei Axxis auf dem Jubiläumskonzert noch die Vollbedienung bekommen und gedacht, das Highlight des Jahres gesehen zu haben, legt Udo Dirkschneider mit seinen Mannen noch mal ein Brett nach. So viel muss ich einfach vorwegnehmen und noch etwas, ich weiß nicht wann ich U.D.O. das letzte Mal so frisch und einfach nur geil erlebt habe. Aber der Reihe nach.

Den Zettel am Eingang, dass die als Opener angekündigten Maxxwell nicht auftreten können, hab ich zu spät gesehen und so war ich schon in der Halle und warten war angesagt. Schade, in der Zeit hätte ich mir nebenan noch einen schmackhaften Döner rein pfeifen können.

Also nutzt man die Zeit um sich so ein wenig umzuschauen und stellt dabei fest, dass die von Udo im Interview angesprochene Bandbreite der Fans wirklich zutreffend ist. Von 16 – 60 war alles vertreten was zwei Beine hat und sich damit sinnvoll Fortbewegen kann. Okay, der Großteil der Anwesenden lag altersmäßig irgendwo zwischen 35 und 50, aber selbst in dieser Altersgruppe hat Udo mit der wirklich hervorragenden „Dominator“ Scheibe, die alten Fans hinterm Ofen hervorgeholt, die zwischen „Thunderball“ und „Mission No. X“ lieber im warmen Heim geblieben sind.

Okay im Vergleich zu Axxis hatte Udo keine Freunde aus Frankreich, Georgien oder Australien (ob das so richtig war?) am Start, aber immerhin haben sich mal Rheinländer (Köln) und Niederrheiner (Mönchengladbach) in unser schönes Ruhrgebiet begeben um dem „Dominator“ die Ehre zu erweisen.



Wie gesagt musste man auf den Opener verzichten. Da mir die Schweizer nicht bekannt sind, weiß ich nicht, ob das nun Freud oder Leid war. Also ging es um 20:30 mit Dezperadoz aus Heidelberg los.

Langsam aber sicher wird die Bühne in gleißendes Rotlicht getaucht, wie beim Sonnenaufgang im Wilden Westen, als Intro kommt Standard oder Klischee Sergio Leones „Lied vom Tod“. Wenn auf der Bühne noch ein Kaktus ein Schädel vom toten Rind, der Geier und die Klapperschlange gestanden bzw. gelegen hätten, wäre die Illusion perfekt. Naja wer weiß, wenn die Dezperadoz noch ein paar Jahre weitermachen und eine Hand voll Dollars mehr verdient haben wird die Bühne noch mit Pappmaché und Gummitierchen gefüllt.

Ein Mann kommt auf die Bühne, den Stetson (oder ein billiges Plagiat) tief in die Strin gezogen. Lässig führt er die Hand zum Gruß an die Krempe und verschwindet hinter seinem Drumkit. Kurze Zeit später kommt der Rest der Truppe auf die Bühne und mit 9 Songs erlebt mindestens die Hälfte der Zuschauer ihren ersten Kontakt mit dem Western Metal .

Als Opener haben die Heidelberger „ Wild Times“ gewählt. In den vorderen Reihen ist ein fürchterlicher Sound und die Heidelberger klingen wie eine lärmende Volbeat Kopie. Die Westernatmosphäre die auf der Scheibe zu hören ist (ich habe die Bekannstschaft nur auf ihrer Homepage gemacht) kommt gar nicht durch. Die Ansagen vom Frontmann von Alex Kraft wirken hölzern. Der Hinweis vor „ Ok Corral“, dass es in dem Song um Zivilcourage geht, ist noch okay. Der Zusatz „immer schön Zivilcourage haben“ wirkt unbeholfen und sorgt eher für Kopfschütteln beim Publikum, die noch gar nicht wissen, was sie von der Truppe nun zu halten haben.

Ich verdrücke mich etwas nach hinten, wo der Sound besser wird. Spätestens mit dem Doors Cover „Riders on the Storm“ wird der Western Einfluss deutlicher, das Publikum wird langsam wach und Dezperadoz gewinnen an Sicherheit. Und bei mir punktet der Vierer mehr und mehr. Andererseits muss man schon eine gute Portion Humor haben, wenn man über den Effekt, dass der Mann, der vorhin noch so nett gegrüßt hat plötzlich mit einer Spielzeugknarre rumballert, lachen kann. Da ich keinen Döner bekommen habe, musste ich kurzerhand den Clown verputzt und schmunzel über die Kinderei.

Der Neun Stücke umfassende Auftritt ist kurzweilig und einigermaßen Abwechslungsreich, kommt jedoch nur bei einem Teil der Zuschauer an, das traditionelle U.D.O. Publikum findet kaum Zugang zur Musik. Erst als zum Schluss nochmal mit „Ghostriders in the Sky“ eine bekannte Melodiemit ebenso bekanntem Text gespielt wird, komm t richtig Stimmung in die Hütte. Die veränderte Gesangslinie macht vielen Probleme und ist auch nicht wirklich gelungen, trotzdem macht der Song Spaß (auch denen die nichts vom Clown gegessen haben). Ein ordentlicher Auftritt. Ich jedenfalls werd mir mal den ein oder anderen Silberling vom Grabbeltisch oder bei der nächsten Plattenbörse holen.

Umbaupause!

Und dann startet U.D.O. mit „The Bogeyman“ und kaum schreitet der German Tank auf die Bühne hat er die gut gefüllte, aber längst nicht ausverkaufte Halle in der Hand. Eine Handbewegung oder ein Zucken mit der Augenbraue reicht und die Fans reagieren Hier singen, da mal mit einstimmen! Udo singt und dirigiert und keiner weigert sich mitzumachen. Wie auf der CD folgte der Titeltrack des aktuellen Albums die Stimmung steigt und sie kocht, als Udo nach dem 3 Song des Abends die seine Begrüßung loswird um dann den ersten Accept Song des Abends ankündigt.

Die Ansage, das dieser Song von einer Band namens Accept stammt. Löst Jubel aus, die Reaktion auf die, schon bekannte, Auskunft dass diese Band angeblich ein neues Album plant, zeigt, dass die Meisten der Anwesenden die Reformierung Accepts mit Argusaugen betrachten. „I Don´t Wanna Be Like You“ vom „Obejection Overruled“ Reunion Album überrascht dann aber doch nahezu jeden. Der Song wäre vermutlich einer der Letzten gewesen, den ich an diesem Abend erwartet habe. Aber, er kommt sehr gut an! Dann geht es zurück in die U.D.O. Discographie die beweist, dass die Band auf nahezu jedem Album Songs hat, die das Zeug für eine erstklassige Live Party haben, auch wenn sie auf der jeweiligen Scheibe hin und wieder ein wenig klemmen. „Thunderball“ und „Mission No X“ knallen, der Typ, der vor mir im Publikum steht hüpft wie ein verrückt gewordener Ping Pong Ball hin und her und immer wieder setzten die Fans bei den Refrains mit ein.

Im Gegensatz zu Dezperadoz stimmt der Sound (vielleicht liegt es auch daran, dass der Platz direkt vor dem Mischpult der Optimale zu sein scheint) und ich habe selten ein Konzert in der Matrix gesehen, bei dem die Reaktionen des Publikums so gut rüberkamen. Die Matrix ist ja bekantermaßen eine Halle, die Mitsingspielchen nahezu unmöglich macht, weil sie selbst den Gesang des Nachbarn verschluckt und man ständig das Gefühl hat alleine mitzusingen (und das macht ja keiner gerne).

Ab und an drückt selbst dem Rezensenten die Blase und durch die trockene Luft in der Halle verlangte der Körper nach erneuter Flüssigkeitsaufnahme. Pünktlich zur genial dargebotenen Ballade „In the Darkness“ war ich jedoch wieder in der Halle und konnte mich überzeugen, dass es sich 2009 nicht nur auf dem Silberling um den Besten Udo Dirkschneider nach Jahren handelt, wobei die komplette Band einen hervorragenden Eindruck hinterlässt..

Die Band verlässt die Bühne und nur Gitarrist Igor Gianola grinst … die ersten Töne erklingen und die Matrix scheint zu explodieren. Mit „Princess of the Dawn“ kommt der erste ganz große Hit des Abends. Keine Frage, es gibt keinen der hier nicht mitmacht.

Kleine Verschnaufpause und ein wenig was zu schauen für die Gitarristen im Publikum; oder anders ausgedrückt; -Gitarrensolo.

Dann die nächste Überraschung „X-T-C“ vom einzigen Accept Album, das der langjährige Accept Frontmann nicht eingesungen hat. Der Song funktioniert trotzdem und die Stimmung ist wieder da. Nahtlos reiht sich „Infected“ die erste Single des aktuellen Longplayers in die Show ein. Ich glaube spätestens zu diesem Zeitpunkt hat der Virus U.D.O. alle anwesenden infiziert. „Living on A Frontline“ kann die Stimmung halten und das nächste Päuschen in Form des Drumsolos naht.

Ich mach mal nicht den Lehmann und verkneife mir den erneuten Gang zum Töpfchen. Das Drumsolo ist kurzweilig aber zunächst nichts Besonderes und es wird erst an der Stelle spannend, als Stefan Kaufmann auch ein Paar Drumsticks zur Hand nimmt und im Stehen parallel zum etatmäßigen Schlagzeuger mit trommelt. Ein toller Effekt der selbst mir als nicht Schlagzeuger gefällt. Ich weiß, es kommen wieder die Leute, die sagen, dass hat XYZ auch schon mal gemacht. Sch***egal, für mich ist Stefan Kaufmann der Accept Drummer und da freut man sich schon alleine darüber den Knaben (haha, der Mann ist wirklich keine 16 mehr) mal wieder auf die Töpfe hauen zu hören. Ein Rädchen greift ins andere und in einem fließenden Übergang geht es in den Rhythmus von „Man and Machine“ über.

„Mastercuter“ und die nächsten beiden Highlights „Animal House“ und natürlich „Metal Heart“ mit ausgedehntem Mitsingteil beenden den Mainpart des Konzerts.

Natürlich lassen U.D.O. sich nicht lumpen und kommen mit „Holy“ zurück. Das Stück ist okay, aber es gehört nicht wirklich zu meinen Faves. Vielleicht der schwächste Song des ansonsten alles überstrahlenden Abends. Dafür werden alle mit einer überlangen „Balls tot he Wall“ Version in den verdienten Feierabend geschickt. Manchmal habe ich das Gefühl, der Song wird von Jahr zu Jahr länger und in 10 Jahren wird er als Bonus CD in einer 45 Minuten Version einer Live Scheibe beigelegt.



Denkste- eben nicht Feierabend. Mr. Dirkschneider kommt zurück und lässt es mit „Burning“ nochmal richtig krachen.

Bei „I’m a Rebel“ präsentiert er die nächste Dirkschneider Generation an den Kesseln. Der jüngste (?) Dirkschneider macht keine schlechte Figur und zieht kurz nachdem er den Song beendet hat mit glückseligem Gesichtsausdruck an mir vorbei (wahrscheinlich auf dem Weg zurück in den Backstageberereich). Zum Abschluss des Abends gibt es dann noch „Hei di Hei do Hei da“ (Kommentar Udo:“Das ist geil, das können wir bis morgen früh machen“ (was nicht mehr lange gewesen wäre, weil der große Zeiger sich langsam der 12 näherte auf der der kleine schon zu verweilen schient.) „Fast as a Shark“ mobilisiert noch mal die letzten Kräfte der Zuschauer und der Band die wirklich alles gegeben hat.

Weit über zwei Stunden U.D.O. Power mit eingebauter Kreissäge und ich hatte das Gefühl, der Mann ist in einen Jungbrunnen gefallen. Ich hatte (ähnlich wie bei Dio, auch wenn es hier ein komplett anderer Gesang ist) nie das Gefühl, das hier ein Mann auf der Bühne steht, der sich langsam aber sicher an 60 heranschleicht!

So und nun schließe ich den Kreis in dem ich den Anfangskommentar nochmal aufgreife. Ich kann mich nicht daran erinnern wann ich U.D.O. (oder auch Accept) so geil erlebt habe.

Accept mit“ Russian Roulette“ bleibt natürlich, als mein Startschuss in den Live Metal Sektor unübertroffen und die Matrix kann logischerweise nicht mit der Essener Gruga in den 80´ern mithalten. Aber mit der ersten Tour als U.D.O. konnte der Abend fast schon mithalten. An diesem Abend ging keiner unzufrieden nach Hause.

Ich schließe mich dem Backprint des Tour T-Shirts an „U.D.O. dominated me“ … uns alle.



Werbung




last.fm Player


TOP-NEWS
Redaktionsplaylist Januar 2012


RANDOM REVIEWS